Main Content

Mobiles Internet - Chance für die Finanzbranche

  • Zürich, 29.10.2008
  • Joachim Hagger
  • Netzguide IT in Finance 2009

Joachim Hagger, CTO Netcetera, beleuchtet im Netzguide IT in Finance und am Finance Forum, welche neuen Chancen sich für die Finanzbranche auftun, wenn die Kunden immer mobiler werden.

Neben Telefonieren und Kurzmitteilungen gehören inzwischen auch Kamera, Navigation, Spiele, Musik, die Verwaltung von Adressen, Kalender und Pendenzen zum mobilen Standard. Das mobile Internet galt bisher jedoch als Randerscheinung für Freaks. Erstaunlich, denn seit über einem Jahrzehnt verändert das Internet die PC-Nutzung nachhaltig und damit auch unser privates und geschäftliches Kommunikations-, Sozial- und Konsumverhalten. Dass dem Mobiltelefon internetbasierte Kommunikationskanäle und -dienste verwehrt blieben, hatte mehrere Gründe. Die Geräte waren in jeder Beziehung zu schwach: zu wenig Prozessorleistung, zu kleine Speicher und Anzeige und ungenügende Eingabemöglichkeiten. Zu schwach und zu teuer waren auch die Mobilfunknetze für die hohen Datentransferraten. Komplizierter Verbindungsaufbau, praktisch unbrauchbare Internetbrowser und unakzeptierte Standards wie WAP taten den Rest, um mobiles Internet zu verhindern. Einzig die E-Mail konnte sich über einen Anbieter in Teilen der Geschäftswelt festsetzen: über RIM mit Blackberry.

Neue Spieler mischen den Markt auf

Mittlerweile haben sich alle entscheidenden Faktoren fürs mobile Internet verändert. Das rief neue Player auf den Plan, die im Mobiltelefongeschäft ein riesiges Potenzial orten: namentlich Google und Apple.

Googles Geschäftsmodell basiert auf Internetdiensten. Verständlich, dass Google darauf bedacht ist, «fremden» Firmen wie Geräteherstellern oder Funknetzanbietern nicht die alleinige Kontrolle über das mobile Surfen zu überlassen. So wurde Android, ein komplett neues Betriebssystem für Mobilgeräte, lanciert. Ein quelloffenes System, mit dem Telefonanbieter ihre Geräte frei und kostenlos betreiben können. Stark auf Datenfunktionen aufgebaut, setzt es eine häufige, wenn nicht stetige Internetverbindung voraus. Zudem sollen weitere Funktionalitäten als installierbare Applikationen sehr einfach nachgeladen werden können. Kombiniert mit dem neuen Google-Browser «Chrome» werden webbasierte Applikationen optimal kompatibel mit Desktop und Mobiltelefon. Die ersten Android-Geräte werden auf Jahresende erwartet.

Währenddessen versucht Apple, den Erfolg des iPods mit seinem Marktplatz iTunes fortzusetzen, indem der iPod um Telefonie- und PDA-Funktionen nachgerüstet wurde. Damit dürfte Apple verhindern, dass ihnen traditionelle Telefonanbieter mit eigenem Laden für Musik-, Video- und Spiel-Download das Wasser abgraben. Unter dem Druck von Android erweiterte Apple seine Plattform mit installierbaren Applikationen von Drittanbietern. Wie bei Google ist die Internetanbindung auch beim iPhone zentral. Es wählt sich den jeweils schnellsten Internetzugang über Wireless-LAN oder Mobiltelefondatendienste wie GPRS/EDGE/UMTS. Die am iPhone angebundenen Telekomverträge unterstützen dieses Modell.

Der mobile Kunde

Das Internet in der Hand- oder Hosentasche ist also bereits Realität. Informations- und Kommunikationskanäle, die auf dem Geschäftsoder Heim-PC verfügbar sind, landen damit auch auf dem Telefon, das typischerweise rund um die Uhr und überall mitgenommen wird. Für die Finanzbranche mit ihren spezialisierten Informationsdienstleistungen eröffnen sich neue Möglichkeiten.

Ganz besonders attraktiv ist, spezifische Eigenschaften und Funktionen des Mobiltelefons mit eigenen Diensten zu verknüpfen. Zum Beispiel können Missbräuche bei Kreditkartenzahlungen direkt am Verkaufsort festgestellt werden. Unter der Annahme, dass sich der Kreditkarteninhaber am gleichen Ort wie sein Mobiltelefon befinden sollte, können Lokalisierungsinformationen vom im Mobiltelefon eingebauten GPS Rückschlüsse auf einen Betrugsfall zulassen. Interessant ist auch die Nutzung von verschiedenen, unabhängigen Datenkanälen wie Internet und SMS, um sicherheitsrelevante Authentisierungen durchzuführen. Mobiltelefone eignen sich auch sehr gut als Verteilmedium von Informationen, die auf den Benutzer zugeschnitten sind. Im Gegensatz zu PCs sind Mobiltelefone Geräte, die normalerweise durch eine einzige Person genutzt werden. Wegen der limitierten Darstellungsmöglichkeiten des kleinen Bildschirmes sind ausführliche Textinformationen weniger zur Kundeninformation geeignet. Hingegen haben personalisierten Infos in Audio- oder Videoformat gute Chancen. Die Kundschaft lädt sich die Informationen aufs Telefon, wann immer ein schneller Datenzugang vorhanden ist und konsumiert sie später, zum Beispiel im Flugzeug. Allerdings ist das Telefon wegen Verlustgefahr und der bis dato ungenügenden Möglichkeit der Datenverschlüsselung für besonders sensitive Daten (noch) nicht geeignet. In der Praxis bietet Bloomberg schon heute eine komfortable iPhone-Applikation, um Finanzmarktdaten und -News einschliesslich Charts anzuzeigen.

Theoretisch können alle webbasierten Dienstleistungen mit dem Mobiltelefon genutzt werden. Zu beachten bleibt allerdings, dass sowohl die Darstellungsmöglichkeiten auf dem kleinen Bildschirm wie auch die Interaktionsmöglichkeiten mit dem Kunden, zum Beispiel für Dateneingaben, sehr eingeschränkt sind. Darum ist gut zu überlegen, welche Funktionen der mobile Kunde tatsächlich in Anspruch nehmen möchte. Für Mobiltelefone angepasste Webanwendungen oder installierbare Applikationen können dafür durchaus sinnvoll sein.

Der Trend zum mobilen Internet ist nicht mehr aufzuhalten
Die Trends für die nähere Zukunft der Mobilgeräte sind absehbar: Wenn es das Netz zulässt, werden die Geräte permanent mit dem Internet verbunden sein. Die Mobilfunknetzanbieter werden entsprechend grosszügige Datenvolumen anbieten – weltweit und bezahlbar. Der Browser mit identischen Eigenschaften für den leistungsfähigen PC wie auch fürs limitierte Mobiltelefon wird Standard.

Die ersten Schritte Richtung mobilem Internet für die breite Masse sind getan und dieser Trend ist unumkehrbar. Das Nutzungsverhalten der Konsumenten wird sich schneller an die standortunabhängige Verfügbarkeit des Internets anpassen, als das bei anderen Technologien der Fall war. Für Finanzdienstleister stellt sich daher nicht die Frage, ob diese neuen Kommunikationsmöglichkeiten genutzt werden sollen, sondern wie schnell und womit auf diese Entwicklung zu reagieren ist.

Finance Forum 2008: wie die Finanzbranche vom grossen Potenzial der neuen Mobiltechnologien profitieren kann

Zürich, 4. November 2008

An der Konferenz des Finance Forums zeigte der CTO der Netcetera Gruppe, Joachim Hagger, wie die Finanzbranche vom grossen Potenzial der neuen Mobiltechnologien profitieren kann.