Anfang Oktober 2008 hat die Schweizer Informatikdienstleisterin Netcetera mit Tramdroid eine mobile Anwendung für Apples iPhone lanciert. Mit Tramdroid können iPhone-Besitzer schnell und vor Ort die aktuellen Fahrpläne für Trams und Busse der Verkehrsbetriebe Zürich abfragen. Weit mehr als Zehntausend VBZ-Passagiere benutzen heute die kostenlose Software, sind begeistert und möchten noch mehr. Wir werfen ein Blick hinter die Kulissen und zeigen, wie die zukunftsweisende Anwendung entstand.
Netcetera gehört zur Spitzengruppe der Informatik-Dienstleister in der Schweiz und befasst sich mit den neuesten Technologien, bevor sie zum Standard werden. Die sogenannten „Smartphones“, also Mobiltelefone, die alles können, was sich der mobile und ständig mit dem Internet verbundene Mensch wünscht, verbreiten sich rasend schnell. Sie bieten neue Anwendungen, die das tägliche Leben erleichtern und bereichern. Bekanntlich findet aber nicht alles, was technisch machbar ist, auch die Gunst des Publikums. Nur Geräte und Software, die ein wirkliches Bedürfnis erfüllen, haben Erfolg auf dem Markt. Angeregt durch einen internen Wettbewerb auf der Suche nach Ideen für Smartphone-Software, haben die beiden Netcetera Software-Ingenieure Daniel Eichhorn und Stefan Ferstl ihre Vision formuliert: Sie wollten sich nie mehr über öffentliche Nahverkehrsmittel ärgern, die ihnen vor der Nase abfahren. Innerhalb weniger Sekunden soll man mit dem Mobiltelefon herausfinden können, wo und wann welche Trams oder Busse in welche Richtung losfahren und ob man sich vom aktuellen Standort aus eher rennend oder schlendernd zur nächsten Haltestelle begeben sollte.
Der erste Tramdroid entsteht
Im April 2008 präsentierte das Team den Prototyp der Software für die Stadt Zürich. Entwickelt wurde er mithilfe des sogenannten Android-Entwicklungsbaukastens, den Software-Ingenieure rund um den Erdball benutzen, um Anwendungen für Mobiltelefone zu kreieren (siehe Kasteninfo). Der Name für die Tram- und Busfahrplan-Software war denn auch schnell gefunden: Tramdroid. Dank des frühen Kontakts zu Pascal Lippmann, dem Leiter des Produktmanagements der VBZ und seiner ermutigenden Unterstützung konnten die Netcetera-Entwickler mit den echten Fahrplandaten der Stadt Zürich arbeiten und bauten zunächst 13 Tramlinien, über 170 Haltestellen und 260'000 Abfahrtszeiten in die Anwendung ein. Die grosse Datenflut haben die Entwickler mit Bravour komprimiert und kombiniert. Sie haben eine hochfunktionale und benutzerfreundliche Software mit einer optisch sehr ansprechenden Benutzeroberfläche geschaffen. Allerdings war noch unklar, wann denn auch passende mobile Geräte in der Schweiz erhältlich sein werden, auf denen eine solche Androidlösung eingesetzt werden kann.
Apples iPhone erobert die Schweiz
Die Firma Apple wartet immer wieder mit Überraschungen auf, wenn andere noch Pläne schmieden. So brachten die Amerikaner letztes Jahr das lang ersehnte iPhone sehr erfolgreich auf den Schweizer Markt. Mit seinem grossen Bildschirm und Software, die Informationen mit der Ermittlung des aktuellen Standorts verknüpft, hat es nicht nur dem Internet auf dem Mobiltelefon zum Durchbruch verholfen, sondern bietet auch riesiges Potenzial für neue Anwendungen. Software-Entwickler können ihre Applikationen bei Apple einreichen. Nach einer Qualitätskontrolle werden die Softwareprodukte im Apple „iTunes App Store“ eingestellt und iPhone-Besitzer können sie von dort direkt auf ihr Telefon herunterladen. Netcetera liess sich diese Chance nicht entgehen und passte Tramdroid auf das Apple-Betriebssystem an. Dem freundlichen Support durch Harri Müller, Leiter der VBZ-Fahrplaninfosysteme, ist zu verdanken, dass gleich das gesamte Zürcher Tram- und Busnetz mit 502 Haltestellen und über 1 Million Abfahrtszeiten in Tramdroid integriert wurde. Das Team mit Experten von Netcetera aus Zürich, Bern, Vaduz und Skopje hatte im Oktober 2008 allen Grund zur Freude, als Tramdroid im iTunes App Store angeboten wurde. Schon wenige Tage nach der Veröffentlichung war die kostenlose Anwendung mit besten Bewertungen bereits unter den Schweizer Top 10 der Download-Rangliste.
Was kann der iPhone-Tramdroid?
Netcetera hat bei der Entwicklung grossen Wert auf Tramdroids Schnelligkeit und Benutzerfreundlichkeit gelegt, damit man kein Tram oder Bus mehr verpasst und weder auf der Suche nach einer Busstation in Zürich herumirren noch die Linien-Grafiken studieren muss. Gerade in Zürich, wo oft verschiedene Wege und Transportmittel zum Ziel führen, verhilft Tramdroid zur schnellen Übersicht. Ausserdem ist der Fahrplan lokal auf dem iPhone gespeichert, d.h. er funktioniert immer, auch ohne Online-Verbindung. Der eigene Standort wird vom iPhone ermittelt und die aktuellen Abfahrtszeiten und Routen der öffentlichen Verkehrsmittel in der Umgebung werden angezeigt. Nach Auswahl der passenden Tram- oder Buslinie erscheint der komplette Haltestellenplan mit den Umsteigemöglichkeiten.
Die Kunden des öffentlichen Verkehrs wünschen sich noch mehr
Durch die direkten Rückmeldungen der Tramdroid-Nutzer kennt Netcetera die Wünsche der Benutzer. Die Tramdroid-Software arbeitet vorerst lediglich mit Fahrplandaten. Die Reisenden würden jedoch sehr gerne Informationen über Betriebsunterbrüche, Verzögerungen durch Unfälle oder Verkehrsüberlastung direkt auf dem Mobiltelefon erhalten. Mit Echtzeitinformationen wäre dies möglich. Damit stünden auch die Angaben über Niederflurfahrzeuge auf Knopfdruck bereit, was besonders für junge Familien und Behinderte wichtig ist. Auf der Wunschliste weit oben steht ausserdem eine Version des Tramdroid für andere Mobiltelefone und das Internet. Schliesslich wünschen sich die öV-Passagiere noch einen Tramdroid, der den ganzen Zürcher Verkehrsverbund und weitere regionale Verkehrsverbünde abdeckt. Ob all diese Wünsche auch erfüllt werden können, wird die Zukunft zeigen. Bei Netcetera ist man jedenfalls sehr stolz, mit Tramdroid der breiten Öffentlichkeit einmal direkt das Können zu demonstrieren.
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- Das iPhone-Team der Netcetera Experten aus Zürich, Bern, Vaduz und Skopje freut sich über Tramdroids Erfolg (v.l.): Harry Heule, Ramon Grunder, Ognen Ivanovski, Pece Milosev, Aleksandra Gavrilovska, Patrick Bönzli und Projektleiter Stefan Tramm. Nicht auf dem Bild sind die beiden Netcetera Software-Ingenieure Daniel Eichhorn und Stefan Ferstl, die Tramdroid ausheckten und den Prototyp entwickelten.
Eine neue, mobile Welt
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- Mehr als 30 Unternehmen aus aller Welt hat Google in der Open Handset Alliance zusammengebracht, um an Android mitzuarbeiten. Android ist ein Betriebssystem für Mobilgeräte, das den schnellen Zugriff auf Internetinformationen mittels mobiler Geräte ermöglicht und die Innovationsrate beschleunigen soll. In den USA und England sind die ersten „Android-Mobiltelefone“ bereits auf dem Markt. Die Schweiz muss sich noch ein wenig gedulden, bis die ersten Geräte erhältlich sein werden. Die "intelligenten" Mobiltelefone werden in naher Zukunft die ganze Palette des Internets und mehr bieten, was auch für Software-Entwicklungsfirmen in der Schweiz neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnet. So auch für Netceteras Tramdroid, der für diverse Mobilgeräte entwickelt wurde. Dazu gehören Apples iPhone, die oben erwähnten „Android-Mobiltelefone“ und auch weitere mobile Betriebssysteme wie Blackberry, Windows Mobile und Symbian.
Netcetera