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Wie sich mit Apps Geld verdienen lässt

  • Zürich, 27.05.2009
  • Joachim Hagger
  • Handelszeitung & Handelszeitung Online

Joachim Hagger, Netcetera-CTO, schreibt in der Handelszeitung, ob und wie die Anbieter von Software für Mobilgeräte auf ihre Kosten kommen.

Dank neuer Distributionskanäle herrscht Goldgräberstimmung. Doch die Anbieter kommen nicht so einfach auf ihre Kosten.
 

Auslöser für den Boom bei den Applikationen sind das iPhone von Apple und Googles Android-Plattform. Sie machen den Internetzugang zu einem unabdingbaren Bestandteil des Telefons und bieten auch gleich ein integriertes und vollständiges Vertriebssystem. Etablierte Hersteller von Mobiltelefonplattformen wie Microsoft, RIM (Blackberry) und Nokia ziehen nach.

Doch wie kann auf den mobilen Plattformen Geld verdient werden? Heute sind die meisten Anwendungen kostenlos, der Preis käuflicher Programme bewegt sich im Bereich von wenigen Franken. Inhalte, die frei auf dem Internet verfügbar sind, können nicht mehr zusätzlich für das Mobiltelefon verkauft werden. Der Internetzugang funktioniert heute ohne Einschränkungen und ist im Daten-Pauschaltarif der Telekommunikationsanbieter eingeschlossen.

Welche Geschäftsmodelle

Das Geschäft mit dem Verkauf von Applikationen zahlt sich nur bei hohen Absatzzahlen aus. In einem kleinen Verkaufsgebiet, z.B. auf die Schweiz beschränkt, klingelt die Kasse kaum. Ohne grossen Marketingaufwand fällt ein Anbieter im Pool von zigtausenden Applikationen kaum auf. Nur wer in der Liste der 10 bis 20 meistverkauften Programme erscheint, profitiert vom kostenlosen Marketingeffekt. Ausserdem droht das latente Risiko, von einem Gratisangebot eingeholt zu werden.

Das zweite Geschäftsmodell verkauft Werbeplätze: Hier ist einiges Potenzial vorhanden, denn auf dem Mobiltelefon kann die Zielgruppe genauer adressiert werden als mittels klassischer Werbemedien. Allerdings ist die Werbewirtschaft sehr konjunkturabhängig, was sich ungünstig auf eine langfristig sichere Finanzierung auswirken kann.

Modell Nummer drei vertreibt Inhalte. Während die Distributionskosten tief sind, ist der Grundsatz «Internet = kostenlos» indes schon so stark in den Köpfen verankert, dass Konsumenten nur zahlen, wenn sie wirklich qualitativ hochstehende oder exklusive Informationen erhalten.

Mobile Commerce, das vierte Geschäftsmodell, bietet Produkte und Dienstleistungen übers Internet an, läuft sehr gut auf Desktop-PC und erfreut sich hoher Wachstumsraten. Den virtuellen Laden für Mobiltelefone anzupassen, ist für Produkte zu empfehlen, die unterwegs gekauft werden.

Modell fünf nutzt Gemeinschaften und Nutzerprofile, die sich auf dem Mobiltelefon ideal bilden lassen. Das Mobiltelefon ist sehr persönlich, immer dabei, immer eingeschaltet und immer online. Mit ihm gelingt es, das Verhalten eines Nutzers einfach zu verfolgen.

Das sechste GeschäftsmodelI hat hohes Erfolgspotenzial und schafft durch Aktivitäten auf dem Mobiltelefon immaterielle Werte. Dazu zählen erhöhte Kundenbindung und -zufriedenheit, Imagegewinn und mehr Effizienz bei Anbieter und Abnehmer.