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Ist in Zukunft alles mobil?

  • Zürich, 03.03.2010
  • Joachim Hagger
  • Handelszeitung & Handelszeitung Online

Joachim Hagger, CTO bei Netcetera, schreibt in der Handelszeitung, wie das überall verfügbare Internet das Kundenverhalten verändert. Dienstleister müssen die neuen Kanäle abdecken, um den Erwartungen ihrer Kunden entsprechen zu können.

Seit über einem Jahrzehnt verändert das Internet die PC-Nutzung nachhaltig und damit auch unser geschäftliches und privates Kommunikations-, Sozial- und Konsumverhalten.

Dass dem Mobiltelefon internetbasierte Kommunikationskanäle und -dienste verwehrt blieben, hatte mehrere Gründe. Die Geräte boten zu wenig Prozessorleistung, zu geringe Speicher- und Anzeigekapazität und ungenügende Eingabemöglichkeiten. Zu schwach und zu teuer waren auch die Mobilfunknetze für die hohen Datentransferraten. Komplizierter Verbindungsaufbau, praktisch unbrauchbare Internet-Browser und unakzeptierte Standards taten den Rest, um mobiles Internet zu verhindern. Einzig E-Mail konnte sich in Teilen der Geschäftswelt festsetzen.

Internet ändert Nutzerverhalten

Mittlerweile haben sich jedoch die entscheidenden Faktoren fürs mobile Internet verändert. Die attraktiven Plattformen decken weit mehr als Kommunikationsbedürfnisse ab. Deren Hersteller haben auch erreicht, dass die Mobilnetzbetreiber attraktivere Datenpauschalen anbieten und so mobiles Internet erschwinglich machen. Damit steigt die Zahl der Nutzer, die ständig online sind. Das ermöglicht neue Geschäftsmodelle, doch auch bestehende müssen den neuen Möglichkeiten angepasst werden.Theoretisch können alle webbasierten Dienstleistungen mit dem Mobiltelefon genutzt werden. Zu beachten bleibt allerdings, dass sowohl die Darstellungs- wie auch die Interaktionsmöglichkeiten mit dem Anwender, z.B. für Dateneingabe, sehr eingeschränkt sind. Darum ist gut zu überlegen, welche Funktionen der mobile Mensch tatsächlich in Anspruch nehmen möchte. Speziell für Mobiltelefone angepasste Webanwendungen oder gar separat installierbare Applikationen sind für den Erfolg notwendig.

So müssen sich die Anbieter von Online-Diensten vermehrt bemühen, ihre Websites auch in Varianten für kleine, mit dem Finger bedienbare Browserfenster anzubieten und parallel dazu Apps für verschiedene Mobiltelefontypen bereitzustellen. Die ständige Erreichbarkeit erhöht jedoch auch das Tempo der Geschäftsabwicklungen, und damit steigt der Anspruch an Online-Dienste. Mobile Kunden erwarten auf Bestellungen und Fragen eine schnelle Rückmeldung.

Kunden reagieren rasch

Steht eine Testversion nicht sofort nach dem Abschicken des Bestellformulares zur Verfügung, kommt einfach die schnellere Konkurrenz zum Handkuss. Wird die Kundendienstanfrage per E-Mail nicht innert einiger Stunden beantwortet, folgen E-Mails mit enttäuschtem Unterton und mit steigender Verbalaggression, man habe doch jetzt schon mehrmals geschrieben, aber «noch immer» keine Antwort bekommen. Schnell werden solche Kommentare auch in den Social-Networks wie Facebook oder Twitter veröffentlicht. Wer morgen mit seinen Angeboten im Web Erfolg haben will, der muss die gegenwärtigen Verhaltensmuster seiner Kunden kennen und die richtigen Schlüsse für die Zukunft daraus ziehen. Die Zukunft für Mobilgeräte ist absehbar: Die Geräte werden dauernd mit dem Internet verbunden sein. Die Mobilfunknetzanbieter werden grosszügige Datenvolumen anbieten - weltweit und bezahlbar. Der Browser mit identischen Eigenschaften für den leistungsfähigen PC wie auch fürs limitierte Mobiltelefon wird Standard. Hingegen ist keine baldige, grosse Konsolidierung der verschiedenen Betriebssysteme für mobile Plattformen zu erwarten. Plattformen wie Symbian, Windows Mobile oder Blackberry werden dem Konkurrenzdruck durch Apple und Google etwas entgegensetzen müssen. Da bieten sich Unternehmen neue Geschäftsmöglichkeiten. Doch werden sie gefordert, ihre Anwendungen für alle Plattformen anzubieten, massgeschneiderte Angebote bereitzustellen sowie ihr Verhalten und ihre Kommunikation dem Tempo der Nutzer anzupassen.