Die Fernerkundung der Welt

Eine Erinnerung eines Gründungsmitglieds: Michael Schaepman

Ich habe mich für Informatik interessiert, lange bevor ich Geograph wurde. Zuerst studierte ich Informatik und Physik, dann bin ich zur Geographie gewechselt. Mich faszinierte die quantitative Geographie, da sie auf der Erhebung und Auswertung von grossen Datenmengen beruht – auf Informatik. Am Geographischen Institut der Uni Zürich bin ich auf gleichgesinnte Techies gestossen – und wir haben Netcetera gegründet.

Als einziger Gründer war ich nie bei Netcetera angestellt, da ich früh die Möglichkeit erhielt, Forschung und Informatik in der Wissenschaft zu vereinen. Ich wurde Projektleiter des sogenannten Airborne PRISM Experiment (APEX) an den Remote Sensing Laboratories des Geographischen Instituts. Dieses ehrgeizige Projekt der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA verfolgte das Ziel ein neues Bildspektrometer zur Erhebung von Fernerkundungsdaten zu entwickeln.

Netcetera wurde wegen ihrer Expertise und den hohen Anforderungen ans Engineering Technologiepartner in diesem Projekt. Damals war Netcetera viel mehr als heute eine Software-Engineering-Firma – je komplexer die Architektur, desto besser. Gutes Beispiel dafür war Software Engineer Jason Brazile, der bei APEX für die Computation verantwortlich war. Jason konnte seine komplexen Algorithmen zur Berechnung der Fernerkundungsdaten von APEX direkt in seine Doktorarbeit an der Universität Zürich einfliessen lassen.

Am 10. Juni 2009 hob die Dornier Do228 mit dem APEX Spektrometer ab zum Jungfernflug. Das war ein grossartiger Moment, auch wenn ich nicht an Bord war. Mein Interesse galt und gilt den Daten und was sie über unsere Welt erzählen.

Michael Schaepman ist Mitgründer von Netcetera, Professor für Fernerkundung sowie seit August 2020 Rektor der Universität Zürich.

Wir reisen in die Vergangenheit. Kommt mit: