7 Funktionen digitaler Wallets für das Reisen

Mobile Wallets verändern still und leise, wie Menschen reisen. Bereits 72 % der Europäer:innen nutzen sie – und einige Banken haben erkannt, dass hier weit mehr Potenzial steckt als nur das Ersetzen physischer Karten. Erste Institute entwickeln ihre Wallets gezielt zu Reise-Tools weiter: Sie helfen Kund:innen, im Ausland verbunden zu bleiben, Tickets unterwegs zu kaufen und wichtige Services ohne Aufwand zu nutzen.

Als Bank verfügen Sie bereits über vieles, was dafür nötig ist: Das Vertrauen Ihrer Kundschaft, die technische Infrastruktur und ein tiefes Verständnis ihrer Ausgabenmuster. Die Herausforderung besteht darin, diese Vorteile gezielt zu nutzen, um Services zu entwickeln, die das Reisen tatsächlich einfacher machen.

In diesem Artikel zeigen wir, was aktuell im Markt funktioniert, und wie Ihre Bank ähnliche Erlebnisse für ihre Kund:innen schaffen kann.

Zentrale Punkte:

  • Mobile Wallets entwickeln sich über das Bezahlen hinaus zu umfassenden Reisebegleitern – mit Funktionen wie eSIMs, ÖV-Tickets, Versicherungen, Währungsumrechnung und digitaler Identität
  • Banken haben natürliche Vorteile: verifizierte Identitäten, hohes Vertrauen und direkten Einblick in Transaktionsmuster
  • Die Mobile-Wallet-Lösungen von G+D Netcetera unterstützen Sie bei der effizienten Integration dieser Funktionen – damit Sie sich auf das konzentrieren können, was Sie am besten können: Ihre Kund:innen betreuen.

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Wofür kann eine digitale Wallet sonst noch genutzt werden?

1. eSIMs

Mobile Wallets können lokale eSIMs für Reisende sofort aktivieren – ganz ohne physische SIM-Karten oder hohe Roaming-Gebühren.

Wer kennt es nicht: Nach der Landung im Ausland steht man vor der Wahl zwischen teurem Roaming oder der Suche nach einer lokalen SIM-Karte. Einige Banken beseitigen diesen Aufwand, indem sie die Aktivierung von eSIMs direkt in ihrer Wallet ermöglichen – ohne separate Registrierung, ohne Pass-Scan am Schalter und ohne zusätzliche Apps. Kund:innen sind sofort verbunden.

Revolut (UK) bietet bereits lokale eSIMs in über 100 Ländern an, unter anderem in Zusammenarbeit mit Anbietern wie Airalo. Da die Identitätsprüfung bereits bei der Kontoeröffnung erfolgt ist, lässt sich die eSIM innerhalb weniger Sekunden aktivieren. Reisende umgehen Warteschlangen am Flughafen und profitieren ab der ersten Minute von lokalen Datentarifen. Für Revolut entsteht so nicht nur eine zusätzliche Einnahmequelle, sondern auch eine stärkere Kundenbindung durch die Integration von Reise-Konnektivität in das eigene Finanz-Ökosystem.

Die eSIM-Nutzung wächst in Europa stark, das über 30 % des globalen Marktes ausmacht – mit einem jährlichen Volumen von 8,1 Milliarden US-Dollar. Eine grosse Chance für europäische Banken, eSIMs so nahtlos zu integrieren

2. Reiseversicherung

Mobile Wallets können Reiseversicherungen automatisch bereitstellen – etwa als Teil von Buchungen oder Premium-Kontomodellen.

Für viele ist der Abschluss einer Reiseversicherung eine Nebensache. Mobile Wallets ändern das, indem sie Versicherungen direkt in das Reiseerlebnis integrieren – entweder gebündelt mit Buchungen oder als Bestandteil von Premium-Paketen.

N26 (Deutschland) bietet beispielsweise automatische Flugverspätungs-Entschädigungen und medizinische Leistungen, wenn Reisen mit der Karte bezahlt werden. Kein Papierkram, keine Policen zum Ausdrucken – der Schutz ist einfach da, wenn er gebraucht wird.

Für Banken ist Reiseversicherung ein hochprofitabler Service, der sich mit minimalem Reibungsverlust einzeln oder im Paket verkaufen lässt. Viele Premium-Kund:innen von N26 dürften ihr Konto gerade wegen dieses Mehrwerts aufgewertet haben. Dank bestehender KYC-Prozesse können Schäden zudem schneller abgewickelt und Betrugsrisiken reduziert werden.

3. Reisetickets

Mobile Wallets können Reisetickets speichern und verwalten – Kauf, Aufbewahrung und Nutzung per einfachem Tap mit dem Smartphone.

Niemand möchte mehrere Transport-Apps verwalten, Papiertickets suchen oder verschiedene Karten mit sich tragen. Einige Wallets ermöglichen heute den Ticketkauf direkt in der App, die sichere Speicherung und den kontaktlosen Zugang zu Bus, Bahn oder Bike-Sharing.

Twint (Schweiz) ist für Millionen Menschen – insbesondere in Zürich – zur bevorzugten Zahlungsmethode geworden, auch im öffentlichen Verkehr. Tickets lassen sich direkt in der App kaufen, speichern und beim Einsteigen nutzen. Zusätzlich können Treuepunkte für Reiseausgaben gesammelt werden.

Für Kund:innen bedeutet das weniger Ballast – weniger Apps, weniger Karten, weniger Tickets. Für Banken schafft die Integration von Mobilität einen täglichen Nutzungspunkt und hält die Marke präsent.

4. Treueprogramme

Mobile Wallets können Treueprämien und Cashback automatisch an der Kasse anwenden und stellen so sicher, dass Kund:innen keine Vorteile verpassen.

Traditionelle Kundenkarten sind oft frustrierend, weil sie zu Hause vergessen werden oder sich in einem anderen Portemonnaie befinden – genau dann, wenn man sie braucht. Mobile Wallets haben dieses Problem nicht. Sie verknüpfen Prämien direkt mit den Zahlungsmethoden, sodass Kund:innen automatisch Vorteile sammeln können – selbst beim Einkaufen im Ausland oder an Flughäfen.

Żappka (Polen) verknüpft Prämien mit Zahlungen, sodass Punkte und Cashback automatisch an der Kasse angewendet werden, egal ob Kund:innen in ihrem lokalen Geschäft einkaufen oder in Filialen an europäischen Flughäfen. Die App erkennt jede Transaktion und wendet den entsprechenden Rabatt oder Cashback an, ohne dass Kund:innen eine physische Karte vorzeigen oder sich ihre Kundennummer merken müssen.

Die automatische Anwendung von Prämien motiviert Kund:innen, die Mobile Wallet ihrer Bank regelmäßig zu nutzen, um alle Vorteile voll auszuschöpfen. Händler könnten zudem bereit sein, für Einblicke auf Basis aggregierter Konsumausgaben zu zahlen. In Grossbritannien hat Revolut dieses Konzept weiter ausgebaut, indem Flugmeilen und Cashback speziell für reisebezogene Ausgaben angeboten werden. Dies dürfte die Nutzung der Wallet in hochpreisigen Reisephasen steigern, in denen der Customer Lifetime Value am höchsten ist.

5. Digitale Identität

Mobile Wallets können offizielle Dokumente wie Reisepässe, Bordkarten und Führerscheine sicher speichern und verifizieren und so die Identitätsprüfung für Reisen und andere Dienstleistungen vereinfachen.

Die EU Digital Identity Wallet (EUDI) soll es Nutzer:innen bis 2026 ermöglichen, offizielle Dokumente wie Reisepässe, Bordkarten und Führerscheine digital zu speichern. Banken sind ideal positioniert, um zu den primären Anbietern dieser Infrastruktur zu werden – schliesslich verwalten sie Identitäten bereits heute sicher als Teil ihres Kerngeschäfts. Und Kund:innen (zumindest in den USA) vertrauen Banken insgesamt stärker als Technologieunternehmen.

Einige Banken testen bereits digitale Identitätsfunktionen. Revolut (UK) ermöglicht es Nutzer:innen, ihre Identität für Services zu verifizieren, ohne Dokumente erneut hochladen zu müssen – ein früher Schritt in Richtung der EUDI-Vision. Bis 2026 könnte dies auf Reisepässe, Bordkarten und weitere Dokumente ausgeweitet werden.

Digitale Identitäts-Wallets könnten es Banken ermöglichen, die Identitätsverifizierung im Reiseprozess selbst zu übernehmen, was ihnen mehr Kontrolle über das Kundenerlebnis und deutlich mehr Möglichkeiten bietet, Kund:innen entlang ihrer gesamten Reise zu begleiten. Man stelle sich vor, eine Kundin checkt für einen Flug ein, verifiziert ihr Alter in einem Restaurant im Ausland oder holt einen Mietwagen ab – alles nahtlos über die Wallet-App. Wenn Banken zu vertrauenswürdigen Anbietern digitaler Identitäten werden, öffnen Kund:innen ihre Banking-App während des Reisens mehrfach täglich. Dadurch entstehen regelmässige Kontaktpunkte, um zusätzliche Services anzubieten und die Kunden-Bank-Beziehung zu stärken.

6. P2P- und Gruppen­zahlungen

Mobile Wallets können das Aufteilen von Ausgaben unter Freunden oder Familie vereinfachen – auch über Währungsgrenzen hinweg – durch sofortige Peer-to-Peer-Zahlungen.

Wer schon einmal mit Freunden oder Familie verreist ist, kennt die Komplexität beim Aufteilen der Kosten für Unterkunft, Essen und Aktivitäten. Es wirkt zunächst einfach, wird aber vor Ort schnell kompliziert, wenn man mit Schuldscheinen oder Währungsumrechnungen kämpft. Mobile Wallets beginnen, diese Komplexität zu beseitigen, indem sie sofortige Peer-to-Peer-Zahlungen ermöglichen – lediglich mit einer Telefonnummer, selbst über verschiedene Währungen hinweg.

Bizum (Spanien) ermöglicht es Nutzer:innen, Ausgaben direkt nach gemeinsamen Mahlzeiten oder Buchungen aufzuteilen, indem sie einfach eine Telefonnummer und einen Betrag eingeben. Auf Reisen im Ausland können Nutzer:innen Geld innerhalb von Sekunden an Freunde senden, ohne deren Bankdaten zu kennen oder sich um Wechselkurse kümmern zu müssen – all das übernimmt die Wallet automatisch.

Für Reisende bedeutet das eine Sorge weniger und mehr Raum, um die Reise zu geniessen. Für Banken bedeutet es mehr Transaktionen über ihre Plattform und eine stärkere Nutzung der App genau in den entscheidenden Reisemomenten, in denen die finanzielle Aktivität naturgemäss steigt.

Monzo (UK) ist mit Monzo Split noch einen Schritt weiter gegangen. Diese Funktion ermöglicht es Nutzer:innen, laufende „Splits“ einzurichten, um gemeinsame Ausgaben während einer Reise oder bei laufenden Kosten in Echtzeit zu verfolgen. Alle Eingeladenen (unabhängig davon, ob sie Kund:innen von Monzo sind oder überhaupt im Vereinigten Königreich leben) können Ausgaben hinzufügen, sehen, was ausgegeben wurde, und wissen genau, was sie schulden. Die App übernimmt sämtliche Berechnungen, sendet freundliche Erinnerungen an Personen, die noch nicht bezahlt haben, und ermöglicht das Begleichen entweder mit einem Tipp oder schrittweise in kleineren Beträgen von mehreren Konten.

7. Grenz­über­schreitende Zahlungen

Mobile Wallets können schnelle, kostengünstige grenzüberschreitende Zahlungen und Multi-Währungs-Transaktionen ermöglichen und so internationale Ausgaben und Überweisungen weiter vereinfachen.

Hohe Fremdwährungsgebühren und langsame Überweisungen frustrieren Reisende seit Langem. Einige moderne Wallets gehen dieses Problem gezielt an, indem sie schnelle, kostengünstige Zahlungen in Echtzeit über Ländergrenzen hinweg anbieten – egal ob Geld nach Hause gesendet, bei Händlern im Ausland bezahlt oder Rechnungen mit internationalen Freunden geteilt werden.

Bunq (Niederlande) bietet Multi-Währungs-Konten, mit denen Nutzer:innen Geld in mehreren Währungen halten, ausgeben und versenden können – mit transparenter Gebührenstruktur. Kund:innen erhalten den realen Wechselkurs plus eine Netzwerkgebühr von 0,5 % bei Währungsumrechnungen und können internationale Überweisungen ohne teure versteckte Kosten durchführen. Die App unterstützt Zahlungen in bis zu 39 Währungen.

Neun Banken, darunter ING, Danske Bank und UniCredit, prüfen zudem den Einsatz von Stablecoins, um Transaktionskosten zu senken und Transaktionen zu beschleunigen. Die Initiative des Konsortiums entspricht der EU-Verordnung über Märkte für Krypto-Assets (MiCAR), die darauf abzielt, Regeln für Krypto-Assets wie Stablecoins europaweit zu harmonisieren. Durch die Kopplung einer digitalen Währung an einen traditionellen Vermögenswert wie den Euro können Banken ihre Abhängigkeit von klassischen Korrespondenzbankennetzwerken reduzieren, die langsam, teuer und nur zu eingeschränkten Zeiten verfügbar sind.

Die Integration grenzüberschreitender Zahlungen in digitale Wallets hilft Kund:innen, die notorisch schlechten Wechselkurse an Flughafen-Wechselstuben zu vermeiden. Banken, die ähnliche Funktionen integrieren, könnten zudem traditionelle Gebührenstrukturen für Auslandsüberweisungen umgehen, was zu stärkeren Margen führt und gleichzeitig einen besseren Mehrwert für Kund:innen bietet – eine Win-win-Situation. Und da grenzüberschreitende Zahlungen zunehmend alltäglich werden (nicht nur für Reisen, sondern auch für Remote-Arbeit und internationalen Online-Handel), tragen wettbewerbsfähige Konditionen dazu bei, Kund:innen loyal zu halten und die Wallet ihrer Hausbank als primäres Finanzinstrument zu nutzen.

Mobile Wallets als Reise-Hubs weiterentwickeln

Viele Banken entwickeln Wallets erfolgreich zu umfassenden Reise-Tools weiter, indem sie auf bestehende Vorteile aufbauen:

  • Bestehende KYC-Infrastruktur, die Funktionen wie eSIMs, Versicherungen und digitale Identitäten ermöglicht, ohne dass Kund:innen zusätzliche Registrierungsprozesse durchlaufen müssen
  • Hohe Vertrauenswerte bei Kund:innen (72 % der Europäer:innen nutzen bereits Mobile Wallets und fühlen sich damit wohl)
  • Unterstützende Regulierung durch Rahmenwerke wie EUDI und PSD3, die diese Innovationen aktiv fördern

Das Ergebnis ist eine einzige App, die mehrere physische Gegenstände ersetzen kann, darunter SIM-Karten, Fahrkarten, Versicherungsdokumente und Kundenkarten.

Durch Partnerschaften mit Drittanbietern wie G+D Netcetera können Sie eine Mobile-Wallet-Lösung mit diesen Funktionen vergleichsweise schnell einführen, ohne alles von Grund auf neu entwickeln zu müssen.

 

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