Die digitale Transformation in der Schweizer Pensionskassenlandschaft

Software aus den 90ern trifft auf Kundenerwartungen von 2025

Schweizer Pensionskassen stehen vor einer fundamentalen Weichenstellung. Jahrzehntealte Verwaltungssoftware erreicht ihr Lebensende, während sich die Erwartungen der Versicherten grundlegend gewandelt haben. Die Generation, die mit Netflix und Online-Banking aufgewachsen ist, erwartet dasselbe Mass an digitaler Verfügbarkeit auch von ihrer Pensionskasse.

"Viele Pensionskassen betreiben noch Verwaltungssysteme aus den 90er Jahren", erklärt Martin Osterwalder, Produktmanager für Pensionskassenlösungen bei G+D Netcetera. "Diese Software erreicht jetzt ihr End-of-Life, und gleichzeitig können die alten Systeme die neuen Ansprüche gar nicht mehr bedienen."

Die Herausforderung: Mehr als nur alternde Software

Die Problematik geht weit über technische Obsoleszenz hinaus. Pensionskassen kämpfen mit strukturellen und regulatorischen Herausforderungen, die ein koordiniertes Vorgehen erfordern.

  • Datenqualität und -konsistenz: In gewachsenen Systemlandschaften liegen Informationen oft fragmentiert vor. "Man muss schon sehr früh anschauen, wie ist denn die Datenqualität im alten System und wie bringen wir das in das Neue hinein", betont Martin. Die Datenmigration sei eine grosse Herausforderung, aber auch eine Chance aufzuräumen.
  • Regulatorische Komplexität: Die Schweizer Vorsorgebranche ist stark reguliert. Jede Systemablösung muss technisch und aus Compliance-Sicht einwandfrei funktionieren.
  • Kultureller Wandel: Die Einführung moderner Systeme bedeutet mehr als ein Software-Upgrade. Mitarbeitende müssen vom administrativen Sachbearbeiter zum beratenden Ansprechpartner werden – eine Transformation, die neue Fähigkeiten erfordert.

"Die Pensionskassen in der Technologie und in der Digitalisierung weiterzubringen – die Branche an und für sich hat noch einen grossen Schritt vor sich."

Martin Osterwalder

Product Manager, Pension fund solutions

Die Vision: Von der Verwaltung zur Beratung

Die moderne Pensionskassenlösung ermöglicht einen grundlegenden Wandel im Geschäftsmodell: Weg von der reinen Verwaltung, hin zu echter Beratung und Kundenorientierung.

  • Dunkelverarbeitung als Fundament: Standardprozesse sollten automatisiert und ohne manuelle Eingriffe ablaufen. "Die Verwaltungsmitarbeitenden sollten eigentlich fast keine Zeit mehr in der Verwaltungssoftware verbringen, sondern in der direkten Beratung mit den Versicherten", so Martin.
  • Self-Service für Versicherte und Arbeitgeber: Moderne Portale ermöglichen es, Prozesse selbst anzustossen und Informationen jederzeit abzurufen. Die Erwartungshaltung ist klar: Versicherte wollen digital auf Informationen zugreifen können und nur bei persönlichen Anliegen direkten Kontakt.
  • Moderne API-Architekturen: Das optimale Zusammenspiel von Umsystemen mit dem Verwaltungssystem wird durch zeitgemässe Schnittstellen ermöglicht. Diese Flexibilität ist entscheidend für künftige Anforderungen.

Make or Buy: Die strategische Entscheidung

Wenn das End-of-Life der bestehenden Software naht, stellt sich die fundamentale Frage: Eigenentwicklung oder Standardlösung?

"Grundsätzlich ist meine Empfehlung immer, auf eine bewährte Standardlösung zu setzen", sagt Martin. Die Gründe: "Für viele Pensionskassen ist es nicht das Kerngeschäft, eine Software zu entwickeln oder zu unterhalten." Eine Eigenentwicklung bindet erhebliche Ressourcen und birgt das Risiko, dass wichtige Anforderungen übersehen werden.

Die Rolle der Customization: Während die Basis standardisiert sein sollte, müssen individuelle Anforderungen möglich bleiben. Entscheidend ist jedoch, nicht bei jeder Kleinigkeit vom Standard abzuweichen.

Change Management als Erfolgsfaktor: Die technische Implementierung ist nur ein Teil der Herausforderung. "Ich als Pensionskasse muss bereit sein, mein Regelwerk, meine Satzung, mein Geschäftsmodell mit der Software abzubilden", betont Martin. Das erfordert oft auch organisatorische Anpassungen.

"Das Projekt läuft natürlich viel effizienter, wenn ich zuerst aufräume und dann migriere. Aber diesen Aufwand scheuen dann halt auch manche."

Martin Martin über Datenmigration

Verwaltungskosten: Verschiebung statt Reduktion

Eine verbreitete Annahme ist, dass moderne Systeme automatisch zu tieferen Verwaltungskosten führen. Die Realität ist differenzierter. "Meiner Meinung nach sollten die sich eigentlich gar nicht gross verändern", erklärt Martin. "Nur der Einsatz sollte den Shift begleiten von der Verwaltung weg, hin zur Beratung."

Der Ressourceneinsatz bleibt also weitgehend konstant, aber die Art der Tätigkeit verschiebt sich fundamental. Statt manueller Dateneingabe investieren Mitarbeitende ihre Zeit in persönliche Beratung. Diese Verschiebung hat direkte Auswirkungen auf die Kompetenzen: Freude am Kundenkontakt wird zur Kernkompetenz.

Der richtige Partner: Mehr als nur Technologie

Die Wahl des Lösungspartners ist eine der wichtigsten strategischen Entscheidungen. Dabei geht es um weit mehr als die technische Funktionalität.

women

  • Branchenkenntnisse: "Es ist sehr zentral, dass der Partner auch die Branche versteht", betont Martin. Ein Technologieanbieter ohne Verständnis für die spezifischen Anforderungen der Pensionskassenlandschaft wird Schwierigkeiten haben, passende Lösungen zu liefern.
  • Sicherheit und Compliance: Pensionskassen verarbeiten hochsensible Daten – Gesundheitsinformationen, Personendaten, finanzielle Details. Die Erfahrung aus der Bankenwelt ist hier ein entscheidender Vorteil.
  • Langfristige Partnerschaft: Eine Systemablösung ist der Beginn einer langjährigen Zusammenarbeit. "Es ist wirklich eine Partnerschaft, und die Pensionskasse sollte auch darauf achten, dass sie ein gutes Verhältnis aufbauen kann", erklärt Martin. Die gemeinsame Weiterentwicklung über Jahre hinweg erfordert Vertrauen und offene Kommunikation.

Die Implementierung: Realistische Erwartungen setzen

Trotz aller Vorteile moderner Systeme bleibt eine Ablösung ein komplexes Unterfangen. Die Implementierung erfordert dedizierte Ressourcen und ein Team mit fachlichen und organisatorischen Kompetenzen ist entscheidend. Eine realistische Planung der Zeitrahmen ist dabei unerlässlich, denn abhängig von der Komplexität können Projekte mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Ausserdem helfen professionelle Partner, Risiken frühzeitig zu identifizieren: "Wenn man mit einem erfahrenen Partner zusammenarbeitet, können Unsicherheiten schon früh genommen werden", betont Martin.

Jetzt handeln oder zurückbleiben

Die Transformation der Schweizer Pensionskassenlandschaft ist nicht mehr aufzuschieben. Die Kombination aus alternder Infrastruktur, steigenden Kundenerwartungen und regulatorischen Anforderungen schafft einen Handlungsdruck, dem sich keine Institution entziehen kann.

Gleichzeitig bietet dieser Umbruch eine Chance. Pensionskassen, die jetzt in moderne, flexible Verwaltungslösungen investieren, positionieren sich für die kommenden Jahrzehnte. Sie können nicht nur effizienter arbeiten, sondern auch einen deutlich besseren Service für ihre Versicherten bieten.

"Nicht im alten Haften bleiben, sondern wirklich das Neue nutzen und vorwärts denken", sagt Martin. Diese Haltung wird entscheidend sein, um die Transformation erfolgreich zu meistern.

Die Pensionskassen, die heute die richtigen Weichen stellen, werden morgen als Vorreiter dastehen. Die Technologie ist verfügbar, erfahrene Partner stehen bereit.

Mehr erfahren

Interessiert an modernen Pensionskassenlösungen? G+D Netcetera verbindet jahrzehntelange Erfahrung im Finanzsektor mit innovativer Technologie. Unsere P40-Plattform bietet Schweizer Pensionskassen eine zukunftssichere, cloudbasierte Verwaltungslösung, die Sicherheit, Effizienz und Benutzerfreundlichkeit vereint.

Kontaktieren Sie uns

Martin Osterwalder

Produktmanager, Pensionskassenlösungen

Weitere Stories

Zu diesem Thema