Die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Zahlungskarten

Die meisten von uns tragen mindestens eine Zahlungskarte bei sich. Sie haben möglicherweise zwei oder drei in Ihrem Portemonnaie. Aber die Karte in Ihrer Hand (oder auf Ihrem Smartphone) ist nur ein Teil einer viel grösseren Geschichte darüber, wie Zahlungen funktionieren, warum sie sich verändern und was als Nächstes kommt.

In unserer neuesten Tech-Tribe-Podcastfolge «A Card Is Not Just A Card» diskutierten G+D Netcetera Stefan Matheis, Christiane Zhao, Global Marketing Lead, und Rüdiger Vogt, G+D Netceteras Experte für Digitalisierung und Nachhaltigkeit, über die Entwicklung von Zahlungskarten. Ihr Gespräch deckte alles ab – von den Grundlagen, wie Karten funktionieren, bis zu den Trends, die ihre Zukunft prägen. Dieser Artikel beleuchtet diese Erkenntnisse und was sie für Banken bedeuten.

Zentrale Punkte

  • Physische, digitale und virtuelle Karten erfüllen jeweils eigene Rollen:
    - Physische Karten bieten einen greifbaren, weit verbreiteten und vertrauenswürdigen Zugang zu Zahlungen an physischen Verkaufspunkten
    - Digitale Karten ermöglichen bequeme, sichere und flexible kontaktlose Zahlungen via Smartphones oder Wearables
    - Virtuelle Karten verbessern die Online-Sicherheit, indem sie temporäre oder einmalig nutzbare Kartendaten für digitale Transaktionen generieren
  • Digitale Wallets und virtuelle Karten verändern das Bezahlen, sie ergänzen physische Karten jedoch, anstatt sie zu ersetzen
  • G+D Netcetera ermöglicht Banken und Fintechs, alle drei Kartentypen anzubieten und so besser auf Kundenpräferenzen und lokale Zahlungsgewohnheiten einzugehen

dbpodcast3article

Die drei Arten von Zahlungskarten und wie sie funktionieren

Zahlungskarten haben sich über das Plastikrechteck in Ihrem Portemonnaie hinaus entwickelt. Heute existieren sie in drei verschiedenen Formaten, jedes mit einem eigenen Zweck.

Physische Karten sind das, woran die meisten Menschen denken, wenn sie das Wort «Karte» hören. Das sind die klassischen Plastikkarten mit Chip und Magnetstreifen. Wie Rüdiger im Podcast erklärte, ist der Magnetstreifen «ein Stück Vergangenheit», das wir kaum noch verwenden, aber er ist immer noch vorhanden. Physische Karten bleiben die am weitesten verbreitete und vertrauenswürdigste Form der Bezahlung.

Digitale Karten sind Repräsentationen Ihrer physischen Karte, die in einem digitalen Wallet wie Apple Pay oder Google Pay gespeichert sind. Sie sind mit Ihrem physischen Kartenkonto verknüpft, existieren aber auf Ihrem Smartphone. Rüdiger merkte an, dass digitale Karten «Flexibilität» bieten – Sie können mehrere Karten speichern und bequem zwischen ihnen wechseln. Sie ermöglichen zudem eine biometrische Authentifizierung, sodass Sie sich nicht mehrere PIN-Codes merken müssen.

Virtuelle Karten sind temporäre oder sekundäre Kartennummern, die speziell für Online- oder In-App-Einkäufe generiert werden. Im Unterschied zu digitalen Karten, die Ihre physische Karte abbilden, existieren virtuelle Karten ausschliesslich für digitale Transaktionen. Sie sind wegwerfbar, oft für eine einmalige Nutzung konzipiert und können nicht an physischen Verkaufspunkten verwendet werden. Wie Rüdiger sagte, fügen sie «eine zusätzliche Sicherheitsebene» hinzu, weil Ihre echten Kartendaten nie an potenziell riskante Händler weitergegeben werden.

Das alles wird durch das Vier-Parteien-Zahlungssystem ermöglicht, bestehend aus Karteninhaber, Händler, Issuer (kartenausgebende Bank) und Acquirer (Händlerbank). Dazwischen stehen die Kartenschemes wie Visa, Mastercard, UnionPay und andere, die die globalen Netzwerke betreiben, welche Issuer und Acquirer verbinden. Wie Christiane erklärte, konnte man vor Einführung dieser Schemes «nur mit einer Bank-of-America- oder einer Deutsche-Bank-Karte an Bank-of-America- oder Deutsche-Bank-Terminals bezahlen». Die Schemes führten das ein, was Stefan als «universelle Abstraktionsschicht zur Vereinfachung von Zahlungen» bezeichnete.

Warum physische Karten weiterhin wichtig sind

Trotz des Aufstiegs digitaler Zahlungen sind physische Karten nicht verschwunden. Christiane stellte fest, dass «wir in verschiedenen Ländern und Regionen weiterhin eine steigende Nachfrage nach physischen Karten beobachten».

Ein Grund dafür ist Vertrauen. Physische Karten dienen als greifbarer Nachweis einer Bankbeziehung. Für Fintechs und Neobanken ist die Ausgabe einer physischen Karte oft ein Weg, Glaubwürdigkeit aufzubauen. Christiane nannte Beispiele wie Trade Republic in Deutschland, eine Trading-Plattform, die zur Bank wurde. Für sie ist die Karte ein Mittel, «nicht nur zu beweisen, dass sie nun eine Banklizenz haben und Karten ausgeben können, sondern auch, um das Vertrauen der Kund:innen zu gewinnen».

Physische Karten bieten zudem Zuverlässigkeit. Sie funktionieren, wenn der Akku Ihres Smartphones leer ist, wenn die digitale Infrastruktur ausfällt oder wenn keine kontaktlosen Terminals verfügbar sind. Wie Christiane sagte: «Wir wollen einfach sicher sein, dass wir, wenn unser Smartphone nicht funktioniert oder der Akku leer ist, noch etwas dabeihaben, mit dem wir am Bankomaten Geld beziehen oder beim Händler bezahlen können.»

Dann ist da noch die Zugänglichkeit. Nicht alle Menschen fühlen sich mit Smartphones oder Digital-Banking-Apps wohl. Christiane betonte, dass physische Karten für «ältere Menschen oder Personen mit einer Behinderung» unverzichtbar bleiben. Bezahlen, sagte sie, sei «ein Grundrecht, um die eigenen Rechte und Freiheiten in der Gesellschaft auszuüben». Würde man die Option physischer Karten abschaffen, würden Menschen ausgeschlossen, die auf sie angewiesen sind.

Rüdiger teilte ein persönliches Beispiel aus seiner Zeit in Tokio. Obwohl er dort über digitale Zahlungsoptionen verfügte, gab es Situationen, in denen er dennoch seine physische Karte benötigte.

Wie digitale Wallets und Karten-Apps das Bezahlen verändern

Digitale Wallets haben die Art und Weise, wie Kund:innen mit ihren Karten interagieren, grundlegend verändert. Rüdiger hob drei Hauptvorteile hervor:

  • Flexibilität («Ich habe persönlich - keine Ahnung - mindestens ein halbes Dutzend Karten in meinem digitalen Wallet»)
  • Biometrie («Ich liebe es, dass ich mir nicht sechs verschiedene PIN-Codes merken muss»)
  • Geschwindigkeit – insbesondere in dicht besiedelten, schnelllebigen Umgebungen

Doch digitale Wallets können mehr, als Karten abzubilden. Moderne Card-Management-Apps bieten heute KI-gestützte Insights, Abo-Verwaltung, CO₂-Fussabdruck-Tracking und Bonitäts-Überwachung. Einige Plattformen, wie UnionPay in China, erlauben Kund:innen, mehrere Karten in einer App zu verknüpfen und ihre Ausgaben über alle Karten hinweg zu verfolgen.

Interessanterweise werden Karten selbst in digitalen Wallets weiterhin in Kartenform dargestellt. Wie Rüdiger erklärte, ist «die Nutzer:in so stark an die physische Karte gewöhnt, dass die Darstellung in der App immer noch die Form einer Karte hat». Diese visuelle Konsistenz hilft, Vertrauen und Vertrautheit zu bewahren.

Warum virtuelle Karten die Zukunft sicherer Online-Zahlungen sind

Virtuelle Karten adressieren eine der grössten Sorgen im digitalen Zahlungsverkehr: Sicherheit.

Wenn Kund:innen eine virtuelle Karte nutzen, generieren sie eine temporäre Nummer, die nur für eine bestimmte Transaktion oder einen bestimmten Zeitraum gültig ist. Wie Rüdiger erklärte: «Eine virtuelle Karte kann zum Beispiel nur für eine Transaktion gültig sein, etwa beim Kauf eines Games. Und das war's. Danach kann sie nie wieder verwendet werden.»

dbpodcast3article2

Virtuelle Karten sind auch für Firmenzahlungen hilfreich, insbesondere für einmalige oder hochvolumige Transaktionen. Sie machen es überflüssig, mehrere physische Karten für verschiedene Zwecke zu verwalten, und senken das Betrugsrisiko.

Die Technologie hinter virtuellen Karten ist die Tokenisierung – derselbe Prozess, der auch digitale Wallets absichert. Anstatt die eigentliche PAN (Primary Account Number) zu übertragen, generiert das System ein Token, das die Karte für eine bestimmte Transaktion repräsentiert. Dieses Token ist für jemanden, der es abfängt, wertlos, weil es nicht wiederverwendet werden kann.

Wie Personalisierung und Nachhaltigkeit das Kartendesign prägen

Kartendesign ist deutlich vielfältiger geworden. Karten können heute aus recyceltem Plastik, Ocean Plastic, Metall, Holz, Keramik und weiteren Materialien bestehen. Giesecke+Devrient, als einer der drei weltweit führenden Anbieter von Zahlungskarten, steht an der Spitze dieses Wandels.

Metallkarten sind viel verbreiteter geworden. Christiane stellte fest, dass «die Gesamtkosten einer Metallkarte sinken, weshalb sie heute zur Commodity geworden ist». Fintechs nutzen auffällige Designs als «Gimmick, um Kund:innen von traditionellen Banken zu ihnen zu holen». Sie erwähnte das Beispiel eines Anbieters in Deutschland, der eine Holzkarte auf den Markt brachte.

Kartendesign reagiert auch auf demografische Veränderungen, etwa mit grösseren Schriftgrössen und höherem Farbkontrast für ältere Zielgruppen. Und Social Media hat die Bedeutung von Design verstärkt – Banken und Fintechs arbeiten mit visuellen Künstler:innen zusammen, um Karten zu entwerfen, die Kund:innen gerne online zeigen.

Auch KI spielt eine zunehmend wichtige Rolle. Einige Banken bieten inzwischen KI-Studios an, in denen Kund:innen personalisierte Karten gestalten können. Wie Christiane sagte, macht dies «die Karte viel persönlicher im Vergleich zu früher, als alle dieselbe Karte mit demselben Design von der Bank erhalten haben».

Warum Wahlmöglichkeiten im Zahlungsverkehr entscheidend sind

 

Die Zukunft des Bezahlens ist keine Entweder-oder-Entscheidung zwischen physisch, digital oder virtuell. Es geht darum, alle drei Optionen anzubieten und den Kund:innen die Wahl zu lassen, was für sie am besten funktioniert.

Christiane formulierte dies als Frage von Rechten und Inklusion: «Bezahlen ist ein Grundrecht, um die eigenen Rechte und Freiheiten in der Gesellschaft auszuüben.» Menschen haben unterschiedliche Bedürfnisse, Vorlieben und Lebensumstände. Einige bevorzugen die Sicherheit einer physischen Karte. Andere möchten die Bequemlichkeit von Apple Pay. Wieder andere benötigen den zusätzlichen Schutz einer virtuellen Karte für Online-Einkäufe. Und viele nutzen je nach Situation alle drei.

Diese Vielfalt an Wahlmöglichkeiten erstreckt sich auch auf lokale Zahlungsmethoden. Wie Christiane feststellte, unterscheiden sich Zahlungsgewohnheiten regional sehr stark. «Wir haben in vielen Fällen beobachtet, dass Kund:innen Schwierigkeiten haben können, so zu bezahlen, wie sie möchten.» In Indien ist UPI zur dominanten Zahlungsmethode geworden. In China sind Alipay und WeChat Pay Standard. In Deutschland ist Bargeld nach wie vor weit verbreitet und geschätzt. Ein wirklich inklusives Zahlungssystem respektiert diese Unterschiede, statt zu versuchen, Verhaltensweisen zu standardisieren.

 

Sie können die komplette Tech-Tribe-Folge «A Card Is Not Just A Card» auf Spotify hören. Wenn Sie erkunden möchten, wie G+D Netcetera Ihre Bank bei der Gestaltung der Zukunft von Zahlungskarten unterstützen kann, nehmen Sie Kontakt mit unserem Team auf.

Weitere Stories

Zu diesem Thema