Wie virtuelle Karten Banken wettbewerbsfähiger machen

Nach über zweitausend Jahren Dominanz verliert Bargeld seine Position als Standard-Zahlungsmittel. In Deutschland akzeptieren mittlerweile über 80 % der stationären Händler Karten- oder Smartphone-Zahlungen, und mehr als 60 % der Verkäufe im Laden werden mit Karte bezahlt. Mit Kartenzahlungen von über 570 Milliarden Euro pro Jahr in Deutschland scheinen die Zeiten, in denen „Bargeld König ist“, zu Ende zu gehen. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an Geschwindigkeit, Sicherheit und Kontrolle.

Was ist eine virtuelle Karte?

Virtuelle Karten, die nur in digitaler Form existieren, verändern die Erwartungen der Kund:innen an Zahlungen grundlegend. Als natürliche Erweiterung des digitalen Ökosystems einer Bank können virtuelle Karten in die Mobile‑ oder E‑Banking‑App integriert oder in gängige Mobile Wallets wie Apple Pay oder Google Pay eingebunden werden. Sie lassen sich sofort ausstellen, in Echtzeit steuern und überall online oder im Laden einsetzen, wodurch die Notwendigkeit entfällt, eine physische Karte mitzuführen.

Neobanken haben bereits gezeigt, wie stark dieser Ansatz ist. So gewann Revolut in Deutschland rund zwei Millionen Kund:innen und in der Schweiz rund eine Million, unter anderem dank nahtlos integrierter virtueller Karten in der Banking‑App. Für Produktverantwortliche, UX‑Teams und Führungskräfte in der digitalen Transformation werden virtuelle Karten zu einem Muss, um das digitale Angebot der Bank zu stärken und die Kundenbindung zu erhöhen. In diesem Artikel wird erläutert, warum virtuelle Karten immer wichtiger werden, wie sie sowohl Kundschaft als auch Banken nutzen und was bei der Integration in die digitalen Kanäle einer Bank zu beachten ist.

Wichtigste Punkte

  • Virtuelle Karten ermöglichen es Nutzer:innen, sofort und sicher ohne physische Plastikkarte zu bezahlen, senken Betrugs- und Betriebskosten für Emittenten und unterstützen eine nachhaltigere Wirtschaft durch weniger Plastikabfall und Transportemissionen.
  • Traditionelle Banken müssen auf Neobanken reagieren, die durch benutzerfreundliche virtuelle Karten in ihren Apps und Wallets Marktanteile gewinnen.
  • G+D Netcetera unterstützt Banken dabei, virtuelle Kartenausgaben zu konzipieren, auszurollen und zu skalieren und in bestehende digitale Kanäle zu integrieren.

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Das Wachstum virtueller Karten in Europa

Europa wurde 2022 zum grössten Markt für virtuelle Karten und erreichte einen Anteil von 38 % am globalen Markt. Der Markt für virtuelle Karten in Deutschland ist bereits über eine Milliarde US‑Dollar wert, mit einem erwarteten jährlichen Wachstum von über 22 % bis 2030.

Die hohe Geschwindigkeit der Einführung spiegelt einen breiteren gesellschaftlichen Wandel wider: Kund:innen erwarten heute schnelle, flexible und sichere Zahlungsmöglichkeiten. Virtuelle Karten erfüllen alle drei Anforderungen, weshalb digital getriebene Anbieter wie Revolut und N26, die virtuelle Karten in ihre Banking‑Apps integriert haben, ein starkes Wachstum verzeichnen.

Einige grosse europäische Banken – etwa Santander, BNP Paribas (nur für Geschäftskunden) und BBVA (nur Prepaid) – haben ebenfalls virtuelle Karten eingeführt. Die Mehrheit der traditionellen europäischen Banken hat virtuelle Karten jedoch noch nicht im Angebot, was Neobanken Raum lässt, mit modernen, app‑zentrierten Zahlungserlebnissen Marktanteile zu gewinnen.

Chancen für DACH Banken

Virtuelle Karten verbinden die vertrauten Vorteile physischer Karten mit neuen, erweiterten Funktionen, die physische Karten nicht bieten können:

  • Sofortige Ausstellung: Anstatt auf den Versand einer Plastikkarte zu warten, können Kund:innen ihre Karte innerhalb von Sekunden direkt aus der Banking‑App oder dem digitalen Wallet nutzen. Das spart Zeit und reduziert gleichzeitig die Umweltbelastung durch Herstellung und Versand von Plastikkarten.
  • Echtzeit‑Kontrollen: Kund:innen können Ausgabelimits festlegen, bestimmte Händlerkategorien (z.B. Glücksspiel oder Erwachsenenunterhaltung) sperren und geografisch steuern, wo ihre Karte eingesetzt werden kann – beispielsweise nur in Europa zu Hause oder in ausgewählten Ländern auf Reisen. Ausserdem können sie ihre Karte für bestimmte Transaktionstypen wie Bancomat‑Bezüge oder E‑Commerce sperren, um zusätzliche Sicherheit und Flexibilität zu erhalten.
  • Integrierte Sicherheit: Virtuelle Karten funktionieren wie herkömmliche Karten mit 16‑stelliger Kartennummer, Ablaufdatum und CVV, ihre Daten werden jedoch zufällig generiert und sind oft einzigartig für jede Transaktion. Wird eine virtuelle Kartennummer kompromittiert, kann damit nicht auf die tatsächlichen Gelder der Nutzer:in zugegriffen werden. Tokenisierung und dynamische Kartendaten verringern das Risiko von Betrug und unautorisierten Transaktionen deutlich und reduzieren Rückbelastungen und Streitfälle. Viele virtuelle Karten sind zudem temporär oder nur einmal nutzbar, was das Missbrauchspotenzial weiter einschränkt.

Vorteile für Banken

  • Weniger Betrug: Da sich die Kartendaten von der zugrunde liegenden Finanzierungsquelle unterscheiden, bieten virtuelle Karten eine zusätzliche Sicherheitsebene. Tokenisierung ersetzt sensible Kartendaten durch eindeutige digitale Tokens, wodurch jede Transaktion sicherer wird. Einmalig nutzbare virtuelle Karten für Online‑Einkäufe senken das Betrugsrisiko weiter und schützen sowohl Kundschaft als auch Emittenten.
  • Geringere Betriebskosten: Banken müssen keine Plastikkarten mehr produzieren und versenden, auch keine kostenlosen Ersatzkarten. Das reduziert Kosten und unterstützt gleichzeitig Nachhaltigkeitsziele durch weniger Plastikabfall und Transportemissionen.
  • Neue Möglichkeiten zur Kundenbindung: Die Möglichkeit, virtuelle Karten sofort auszustellen, Auswertungen zum Ausgabeverhalten anzubieten und Bonusprogramme zu integrieren, sorgt dafür, dass Kund:innen die Banking‑App häufiger nutzen.
  • Globale Reichweite: Virtuelle Karten sind besonders wertvoll für internationalen E‑Commerce, da Kund:innen auch dort sicher per Karte bezahlen können, wo die physische Karteninfrastruktur begrenzt ist.

Virtuelle Karten erfolgreich integrieren

Bei der Gestaltung sollten Produktverantwortliche und UX‑Teams sicherstellen, dass virtuelle Karten intuitiv und für alle zugänglich sind. Sie sollen sich wie ein natürlicher Bestandteil des digitalen Bankerlebnisses anfühlen – egal ob in der eigenen Banking‑App oder in einem Drittanbieter‑Wallet. Dazu gehört, dass Kund:innen ihre Karten einfach erstellen, verwalten und nutzen können; klare Oberflächen, einfache Steuerungen und eine nahtlose Integration in bestehende Apps oder Wallets sind daher entscheidend.

Mindestausstattung virtueller Karten

Virtuelle Karten sollten mindestens Folgendes bieten:

  • Sofortige Ausstellung
  • Einfache Aktivierung
  • Übersichtliches Ausgabenmanagement (z.B. Monatslimiten oder Kategorisierung von Transaktionen)
  • Temporäre und dauerhafte Kartenblockierung

Die besten Erfahrungen ermöglichen es Nutzer:innen zusätzlich:

  • Individuelle Limiten zu setzen (z.B. tägliche, wöchentliche oder transaktionsbezogene Ausgabelimiten)
  • Einmalig nutzbare Karten für Online‑Einkäufe zu generieren
  • Ausgaben in Echtzeit zu verfolgen
  • Echtzeit‑Benachrichtigungen zu erhalten (z.B. sofortige Hinweise zu Käufen oder abgelehnten Transaktionen)
  • Virtuelle Karten in Alltags‑Wallets wie Apple Pay oder Google Pay zu integrieren, sodass sie jederzeit griffbereit sind

Mehrwert für Geschäftskunden

Geschäftskunden profitieren zusätzlich von:

  • Automatisiertem Spesenmanagement (z.B. automatische Kategorisierung von Transaktionen für die Buchhaltung oder Export von Ausgabenberichten für Rückerstattungen)
  • Echtzeit‑Budgetkontrollen (z.B. abteilungsspezifischer Limits oder Sperrung bestimmter Händlerkategorien)

Der Schlüssel zum Erfolg ist, virtuelle Karten vollständig in das digitale Ökosystem der Bank einzubetten und so ein konsistentes, benutzerfreundliches Erlebnis zu schaffen. Die Technologie dafür ist bereits verfügbar: Über APIs und Tokenisierung lassen sich virtuelle Karten schnell in digitale Kanäle integrieren. Mit geeigneten Analysefunktionen können Kund:innen zudem Einblicke in ihr Ausgabeverhalten erhalten, was ihnen beim Budgetieren hilft und die Bindung an die Banking‑App stärkt.

Wo virtuelle Karten am meisten Nutzen stiften

Vorteile für Privatkundschaft

Für Privatkund:innen eignen sich virtuelle Karten besonders für Online‑Shopping (zum Beispiel, wenn Einmal‑Kartendaten für zusätzliche Sicherheit sorgen), für Abos sowie für Familienausgaben, bei denen Eltern Karten mit individuellen Limiten und Händlerbeschränkungen für ihre Kinder ausstellen können. Werden diese Funktionen in die Banking‑App integriert, entsteht ein noch nahtloseres und sichereres Zahlungserlebnis. Kund:innen können für mehr Sicherheit Einmal‑Karten erzeugen, und Reisende erhalten sofort digitale Karten für Buchungen, ohne Angst vor Verlust oder Diebstahl der Plastikkarte.

Vorteile für KMU und Grossunternehmen

Für KMU und grössere Unternehmen können virtuelle Karten als Mitarbeiterausgabenkarten mit Echtzeit‑Budgetkontrollen eingesetzt werden, sodass Finanzabteilungen die Ausgaben besser im Blick behalten. Einmalig nutzbare virtuelle Karten lassen sich für Beschaffung und Reisen einsetzen, um Betrug zu reduzieren und die Buchhaltung zu vereinfachen. Im B2B‑Bereich können virtuelle Karten den Zahlungsverkehr mit Lieferanten optimieren, mit voller Transparenz und Kontrolle über jede Ausgabe.

Letztlich bieten virtuelle Karten mehr Flexibilität als Plastikkarten und Bargeld. Sie passen sich daran an, wie Menschen und Unternehmen sie tatsächlich nutzen – etwa für einmalige Online‑Käufe, wiederkehrende Abos oder sichere Geschäftsausgaben – und werden deshalb schnell zu einer Standarderwartung der Kundschaft.

Die Kosten des Stillstands

Neobanken geben bereits das Tempo vor und bieten teilweise seit Jahren virtuelle Karten in ihren Banking‑Apps an. Damit erhöhen sie die Kundenerwartungen und stellen traditionelle Banken vor die Herausforderung, bei der digital‑getriebenen Innovation mitzuhalten. Kund:innen erwarten virtuelle Karten heute als Standardfunktion in ihrer Banking‑App, und Banken, die diese nicht anbieten, riskieren, ins Hintertreffen zu geraten.

Das Anbieten virtueller Karten sollte jedoch nicht nur als defensive Massnahme verstanden werden. Virtuelle Karten sind eine zusätzliche Chance, Kundenbeziehungen zu vertiefen. Indem Banken virtuelle Karten anbieten, die das Leben der Kundschaft einfacher machen – etwa durch sofortige Karten, besseren Betrugsschutz und intelligentes Ausgabenmanagement –, geben sie ihnen einen weiteren Grund, ihrer Bank treu zu bleiben.

Maximillian Mayer

Business Development Executive

Die Bank zukunftssicher machen

In den letzten Jahren sind virtuelle Karten zu einem festen Bestandteil des Bankings geworden. Falls eine Bank virtuelle Karten noch nicht in ihr digitales Angebot integriert hat, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, dies zur Priorität zu machen. Das bedeutet, virtuelle Karten als Kernbestandteil der App‑ und Wallet‑Strategie zu verankern und ein nahtloses, attraktives Nutzererlebnis sicherzustellen.

Zum Glück müssen Banken diesen Weg nicht allein gehen. G+D Netcetera hilft Banken, virtuelle Kartenausgaben zu entwickeln, bereitzustellen und zu skalieren – sicher, skalierbar und auf die Bedürfnisse der Kundschaft zugeschnitten. So lassen sich virtuelle Karten in das App‑ und Wallet‑Ökosystem der Bank integrieren, damit sie das digitale Angebot stärken und die Erwartungen der Kund:innen erfüllen.

 

Bereit, virtuelle Karten für Ihre Kundschaft Realität werden zu lassen? Dann nehmen Sie noch heute Kontakt mit unserem Team auf.

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