Wer autorisiert den Agenten?

Lasst uns darüber sprechen, bevor es über uns spricht

Ein Gespräch mit Ivan Vukelikj, Secure Digital Payments Experte, G+D Netcetera, Vor seinem Panel-Auftritt auf der MPE Berlin 2026.

Agentic Commerce sorgt derzeit für viel Gesprächsstoff. Aber für diejenigen, die noch nicht ganz auf dem neuesten Stand sind: Was bedeutet das eigentlich für den Zahlungsverkehr?

Die Transaktion findet statt, ohne dass ein Mensch im Raum ist. Das ist die einfachste Definition.

KI-Agenten, die im Auftrag von Verbraucher:innen oder Unternehmen handeln, treffen zunehmend autonom Kaufentscheidungen. Ihr smarter Assistent bestellt Verbrauchsmaterial nach. Ihre Reise-App bucht und bezahlt ein Hotel, ohne dass Sie einen Finger rühren. Ihr Auto begleicht eine Maut oder eine Parkgebühr in Echtzeit.

Das ist keine Science-Fiction. Die Bausteine dafür existieren bereits. Was die Zahlungsbranche jedoch noch nicht vollständig gelöst hat, ist die Vertrauensebene. Wie authentifiziert man eine Transaktion, wenn die Instanz, die sie initiiert, keine Person ist?

Diese Vertrauensebene – Authentifizierung und Verifizierung – ist genau der Bereich, in dem G+D Netcetera tätig ist. Wie verändert Agentic Commerce das, was Sie entwickeln müssen?

Es stellt einige der grundlegenden Annahmen infrage, auf die sich unsere Branche jahrzehntelang verlassen hat. Traditionelle Authentifizierung wurde rund um die Präsenz eines Menschen konzipiert – jemand, der anwesend ist, sich der Handlung bewusst ist und zustimmt. Starke Kundenauthentifizierung, 3-D Secure und biometrische Verfahren wurden alle mit einem Menschen „im Loop“ entwickelt.

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Agentic Commerce durchbricht diesen Loop. Die Frage verschiebt sich also von „Ist das die richtige Person?“ zu „Ist das die richtige Absicht?“ – also nicht nur Identität zu verifizieren, sondern auch Zweck und Kontext. Dafür braucht es einen grundlegend anderen Ansatz: eine Kombination aus Echtzeit-Verhaltenssignalen, Frameworks für delegierte Autorisierung und intelligenter Risikobewertung, die mit Maschinengeschwindigkeit arbeiten kann.

Was sollten Issuer und PSPs jetzt konkret tun, um sich vorzubereiten?

Intern sprechen und sich austauschen. Viele Institutionen behandeln Agentic Commerce noch als ein Zukunftsthema, dabei ist es bereits Realität. Die Infrastrukturentscheidungen, die heute getroffen werden, bestimmen, wie gut Sie vorbereitet sind, wenn das Volumen steigt – und es wird schneller steigen, als viele erwarten.

Praktisch bedeutet das, die eigene Authentifizierungsarchitektur mit neuen Augen zu betrachten. Wo wird menschliche Präsenz vorausgesetzt? Wo bricht das System zusammen, wenn ein Agent die Transaktion initiiert? Und vor allem: Haben Sie die Fähigkeiten zur Risikobewertung, um legitime autonome Transaktionen von betrügerischen zu unterscheiden – und das in grossem Massstab?

Sie sprechen zu diesem Thema auf der MPE Berlin. Was hoffen Sie, dass das Publikum aus dem Panel mitnimmt?

Ein Gefühl der Dringlichkeit – ohne Angst. Agentic Commerce ist genauso eine Chance wie eine Herausforderung. Das Zahlungsökosystem hat bereits mehrfach tiefgreifende Veränderungen bewältigt: von Card-Present zu Card-Not-Present, von Passwörtern zu biometrischen Verfahren und von statischen Regeln zu Machine-Learning-basierter Betrugserkennung. Jedes Mal hat sich die Branche angepasst – und das Ergebnis waren bessere, sicherere und vertrauenswürdigere Zahlungen für alle.

Das ist das nächste Kapitel. Und das Gespräch, das wir auf der MPE führen werden, ist genau die Art von Austausch, die die Branche voranbringt: Issuer, PSPs, Technologieanbieter und Händler kommen zusammen, um gemeinsam die schwierigen Fragen zu stellen.

Ich würde jeden, der an der MPE teilnimmt, ermutigen, vorbeizukommen und uns herauszufordern. Die besten Ergebnisse entstehen aus den besten Debatten.

 

Ivan Vukelikj wird auf dem Panel zu Agentic Commerce auf der MPE Berlin 2026 sprechen. Treffen Sie auch das G+D Netcetera Team: Borkica Shekjerova, Simon Guggenbichler und Simeon Miles.

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