Wie wird sich ISO 20022 auf den Bank- und Zahlungsverkehr auswirken?

Bis 2025 soll ISO 20022 der universelle Standard für Grossbetragszahlungssysteme aller Reservewährungen werden. Ziel ist es, die Abwicklung internationaler Zahlungen für Banken und andere Finanzinstitute einfacher, schneller und sicherer zu machen.

Obwohl bereits 70 Länder auf den neuen Standard umgestellt haben, werden im bestehenden SWIFT-Netz jeden Werktag nur 620 000 ISO 20022-Nachrichten ausgetauscht. Das sind etwa 1,4 % aller täglichen SWIFT-Transaktionen.

Angesichts der bevorstehenden Frist haben die Finanzinstitute viel zu tun. Sehen wir uns also an, was ISO 20022 bedeutet, welche Vorteile es bringt und welche Herausforderungen bei der Umstellung auf diesen neuen globalen Nachrichtenstandard auf Finanzinstitute zukommen können.

Was ist ISO 20022?

ISO 20022 ist eine neue globale Norm, die definiert, wie Finanznachrichten strukturiert zwischen Finanzinstituten ausgetauscht werden sollten. Sie wurde von der International Organization for Standardization (ISO) in Zusammenarbeit mit Branchenexperten im Technischen Ausschuss 68 (TC68) für Finanzdienstleistungen entwickelt.

ISO 20022 verlangt die Strukturierung von Nachrichten mit XML, einem plattformunabhängigen Format, das die Kompatibilität zwischen einer Vielzahl von Systemen gewährleistet. Dies erleichtert Banken und anderen Institutionen das sichere und effiziente Senden, Empfangen und Verarbeiten von Finanzinformationen, wie z. B. Zahlungen.

ISO 20022 ist ein globaler Standard für den elektronischen Austausch von Finanztransaktionsdaten. Er soll die Effizienz und Zuverlässigkeit von Finanztransaktionen zwischen verschiedenen Finanzinstituten, Systemen und Regionen verbessern und ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer grösseren Harmonisierung in der Finanzbranche.

Vor der Einführung von ISO 20022 hätte eine deutsche Bank, die Geld an eine Bank in Japan sendet, wahrscheinlich den Zahlungsstandard SWIFT MT verwendet. Da SWIFT MT über eine eingeschränktere Auswahl an Nachrichtentypen verfügt, hätten einige nützliche Zahlungsdetails weggelassen werden müssen. So zum Beispiel Rechnungsnummern oder detaillierte Transaktionsbeschreibungen. Die empfangende Bank in Japan hätte die Daten manuell anpassen oder interpretieren müssen, um die Zahlung zu verarbeiten, was zu möglichen Fehlern und Verzögerungen geführt hätte.

Nicht nur Banken werden vom neuen Standard profitieren. Auch Kryptowährungsplattformen können die strukturierten Daten und den standardisierten Nachrichtenaustausch von ISO 20022 nutzen, um die Effizienz, Transparenz und Compliance ihrer Transaktionen zu verbessern. Digitale Währungen wie XRP, XLM und HBAR, die für schnelle und sichere grenzüberschreitende Zahlungen konzipiert sind, können ebenfalls profitieren. Durch die Anpassung an ISO 20022 können Krypto-Plattformen leichter in herkömmliche Bankensysteme integriert werden, was die Akzeptanz und das Vertrauen von Kryptowährungen als legitime digitale Vermögenswerte fördert.

Durch die Bereitstellung einer globalen gemeinsamen Sprache für Finanztransaktionen reduziert ISO 20022 die Komplexität und die Kosten, verbessert die Datenqualität und beschleunigt die Transaktionen.

ISO 20022 ist bereits in über 70 Ländern, darunter China, Indien und Japan, zum Standard geworden. Der Standard wird derzeit von den Infrastrukturen der Zahlungsmärkte in allen wichtigen Währungen übernommen und soll bis November 2025 abgeschlossen sein.

Was sind die Vorteile der Umstellung auf ISO 20022?

Vor ISO 20022 waren die Finanzinstitute bei ihren Transaktionen auf eine Vielzahl von proprietären und regionalspezifischen Nachrichtenstandards angewiesen. Dies führte zu Kompatibilitätsproblemen, erhöhten Betriebskosten und Ineffizienzen bei der Abwicklung internationaler Zahlungen. Das Fehlen eines einheitlichen Standards erschwerte auch die Innovation und die Anpassung an neue Finanztechnologien und -praktiken in verschiedenen Regionen und behinderte beispielsweise die Einführung von Kryptowährungen.

 

ISO 20022 bringt viele Vorteile für Finanzinstitute und das gesamte Finanzsystem, darunter:

  • Schnellere Bearbeitungszeiten: ISO 20022 verwendet im Vergleich zu älteren Standards wie SWIFT MT ein detaillierteres und übersichtlicheres Format. Mit besser strukturierten Daten kann eine viel grössere Anzahl von Validierungen und Prüfungen während des Zahlungsvorgangs automatisiert werden.
  • Bessere Einhaltung der Vorschriften und besseres Risikomanagement: Die umfangreicheren Daten ermöglichen eine effektivere Überprüfung anhand von Sanktionslisten und KYC-Checks (Know Your Customer). Dies hilft Finanzinstituten bei der Einhaltung von Vorschriften und der Minderung von Betrugsrisiken – auch bei Transaktionen in digitaler Währung, wo Betrug ein erhebliches Risiko darstellt.
  • Grössere Transparenz: Da ISO 20022 ein genaueres Bild der Transaktionsdetails liefert, verbessert es die Transparenz für alle Beteiligten. Auch die Nachverfolgung des Zahlungsweges wird dank der verbesserten Daten einfacher.
  • Erleichterte Innovation: ISO 20022 öffnet die Türen für die Entwicklung innovativer Finanzdienstleistungen, da es in der Lage ist, detailliertere und strukturiertere Informationen aufzunehmen. Finanzinstitute können diese Daten nutzen, um bessere Finanzierungen, Cash-Management und andere massgeschneiderte Finanzprodukte und -dienstleistungen anzubieten.

 

Der neue Standard führt auch zu wertvollen neuen Anwendungsfällen für Finanzinstitute:

  • Vereinfachung der Einhaltung von Vorschriften zur Finanzkriminalität: ISO 20022 bietet strukturierte Daten, welche die Zahl der Fehlalarme bei der Überprüfung von Sanktionen um schätzungsweise 25-30 % reduzieren. Dies steigert die betriebliche Effizienz und die Datenqualität.
  • Verbesserung von Zahlungsausnahmen und Untersuchungen: Der neue Standard liefert detaillierte, strukturierte Daten, welche die 2-5 % der Zahlungen, die zu Nachforschungen führen, reduzieren können. Dadurch dürften sich die Untersuchungszeiten und die Betriebskosten verringern, was zu erheblichen Effizienzsteigerungen führt.
  • Vereinfachung der aufsichtsrechtlichen Berichterstattung: Der neue Standard strukturiert die Transaktionsdaten so, dass sie die verschiedenen globalen regulatorischen Anforderungen problemlos erfüllen. Dies dürfte die Betriebskosten senken und die Kundenerfahrung verbessern, da die Compliance-Prozesse gestrafft werden und keine Rückfragen mehr erforderlich sind.
  • Verbesserung des Kundenverständnisses: Die neue ISO-Norm ermöglicht es Finanzinstituten, Trends im Zahlungsverkehr zu erkennen, Transaktionen mit bestimmten Kunden in Verbindung zu bringen und Produkte und Dienstleistungen effektiv anzupassen.
  • Aufbau von vertikalen Wertangeboten: Der neue Standard wird es Finanzinstituten ermöglichen, ihre Angebote weiterzuentwickeln und zu verbessern, z. B. durch automatisierten Abgleich für Transaktionen mit hohem Volumen, verbesserte Straight-Through-Verarbeitung, Unterstützung für neue Zahlungsinstrumente, auf Kryptowährung basierende Produkte und mehr.
  • Stärkung der Treasury-Aktivitäten von Unternehmen: Der neue Standard liefert strukturierte Daten für eine bessere Abstimmung und ein besseres Betriebskapitalmanagement. Dies sollte Reibungsverluste im Zahlungsverkehr verringern, die Cashflow-Prognosen genauer machen und die Unterstützung von On-Behalf-Of-Zahlungen (OBO)ermöglichen.

 

Auf der SWIFT-Website können Sie weitere Einzelheiten zu den einzelnen Anwendungsfällen nachlesen.

Was sind die Herausforderungen bei der Umstellung auf ISO 20022?

Ein globales Projekt wie die Umstellung aller Finanzinstitute auf einen neuen Zahlungsstandard war immer mit grossen Herausforderungen verbunden.

Im Folgenden werden einige der wichtigsten Herausforderungen genannt, denen sich die Finanzinstitute werden stellen müssen:

  • Die Finanzierung des Übergangs: Die Umstellung auf ISO 20022 erfordert von den Finanzinstituten erhebliche Investitionen. Das Überprüfen, Abbilden und Übersetzen ihrer bestehenden Altsysteme, damit sie mit der neuen Norm übereinstimmen, kann einen hohen Ressourceneinsatz erfordern.
  • Fristen einhalten: Während die globale Deadline für die Umstellung auf ISO 20022 mit der Abschaffung des MT-Nachrichtenstandards von SWIFT im November 2025 zusammenfällt, haben sich viele Länder eigene, ehrgeizigere Zeitpläne gesetzt. So wurden beispielsweise die alten britischen Standards im Juni 2023 durch ISO 20022 ersetzt. Doch die Einhaltung extern vereinbarter Fristen kann für eine Organisation, die bereits laufende Transformationsprojekte in Angriff genommen hat, eine grosse Herausforderung darstellen.
  • Aufrüstung der bestehenden Infrastruktur: Um die längeren und umfangreicheren Nachrichten, die von ISO 20022 verwendet werden, zu bewältigen, werden viele Finanzinstitute ihre bestehende Infrastruktur stark anpassen müssen.
  • Anpassung der Compliance-Prozesse: Die Finanzinstitute müssen ihre bestehenden Compliance-Prozesse (z. B. Anti-Geldwäsche und Know Your Customer) an das umfassendere Datenformat von ISO 20022 anpassen. Dies kann die Aktualisierung interner Prozesse und Systemkonfigurationen erfordern, um sicherzustellen, dass die Compliance-Prüfungen mit dem umfangreicheren Datensatz effektiv durchgeführt werden können.

Wie wir den Übergang zu ISO 20022 unterstützen

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